Ratgeber: Fotografie Ausbildung / Fotokurse

Fotografieren gehört nach wie vor zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Seit einigen Jahren können mit jedem Smartphone Bilder geschossen und verbreitet werden. Viele Personen möchten nicht nur mehr oder weniger wahllos Fotos knipsen sondern qualitativ ansprechende oder sogar hochstehende Bilder machen. Deshalb werden Fotokurse stark nachgefragt. Wer das Fotografieren lernen will, hat beim Angebot die Qual der Wahl. Vom einfachen Fotokurs für Einsteiger bis hin zu einer professionellen Fotografie-Ausbildung gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Wichtig ist dabei, die persönlichen Ziele bezüglich dem Fotografieren zu definieren und sich anschliessend über passenden Fotoschulen zu informieren.

Fotografie in der Grundbildung/Berufslehre: Fotograf/in EFZ (Eidg. Fähigkeitszeugnis)

Vor noch nicht zu langer Zeit konnte in der Grundbildung nach Abschluss der Oberstufe eine ganze Auswahl von Berufen erlernt werden, welche mit Fotografie zu tun haben. Dazu gehören die Ausbildungen Fotograf, Reprograf, Bildreporter, Fotolaborant, Retuscheur, Fotoassistent oder Fotofachhändler. Die fortschreitende Digitalisierung hat dazu geführt, dass in den vergangenen 25 Jahren die einen Fotoberufe völlig verschwunden sind, während andere zu einem vielfältigen Ausbildungsprofil gewachsen sind. Wer sich heute für eine Erstausbildung im Bereich Foto entscheidet, hat in der Schweiz die Möglichkeit, eine vierjährige Berufslehre als Fotograf bzw. als Fotografin zu absolvieren. In der Ausbildung zum Fotografen bzw. zur Fotografin werden den Lernenden die Grundlagen der Fotografie vermittelt. Dazu gehören kreative wie auch technische Aspekte. Die Absolventen sind in der Lage, qualitativ hochwertige Aufnahmen im Freien oder in einem Studio zu erstellen. Dies können Portrait- oder Produktaufnehmen sein, welche in einem Fotostudio gemacht werden. Häufig werden Fotografen für Aufnahmen ausserhalb eines Studios wie beispielsweise im Immobilien- oder Tourismusbereich beauftragt. Ein weiteres grosses Tätigkeitsgebiet sind Fotografien für die Medien wie beispielsweise Reportagen. Neben dem richtigen Umgang mit professioneller Fotoausrüstung können die Absolventen der Berufslehre die zu fotografierenden Elemente korrekt ausleuchten und die erstellen Bilder nachträglich am Computer bearbeiten. In Vevey kann die Berufslehre zum Fotografen bzw. zur Fotografin in einer Vollzeitausbildung mit einem sechsmonatigen Praktikum absolviert werden (Centre d'enseignement professionnel de Vevey).

Fotografie als Weiterbildung: Fotokurse, Lehrgänge mit eidg. Abschluss

Wer das Fotografieren durch eine Weiterbildung lernen will, kann entweder einen Fotokurs oder eine langjährige Weiterbildung besuchen. Fotokurse werden von diversen privaten oder staatlichen Organisationen angeboten. Hier gilt es die persönlichen Bedürfnisse und Ziele zu genau analysieren und auf dieser Basis den richtigen Fotokurs und Anbieter zu selektieren.

Das Bildungsangebot im Bereich der Fotografie ist sehr gross und reicht vom Fotokurs für Einsteiger bis hin zum einem Bachelor in visueller Kommunikation (FH) mit Vertiefung in Richtung Bild/Fotografie.

Welcher Fotokurs bzw. welche Fotoschule ist für mich geeignet?

Um den richtigen Fotokurs und die richtige Fotoschule zu finden sollten sich die Kursinteressenten darüber Gedanken machen, wofür sie denn das erlernte Wissen über die Fotografie einsetzen möchten. Welches Vorwissen ist bereits vorhanden? Sollen primär schöne Freizeit- und Ferien-Fotos geschossen werden? Soll das Wissen dazu führen, dass die Absolventen eines Fotokurses zu Hobby-Fotografen ausgebildet werden, welche Fotos mit einer erhöhten Aussagekraft machen können? Soll mit dem Fotografieren ein Haupt- oder Nebeneinkommen erzielt werden? Soll das Fotografieren als Kunst betrieben werden? Um die Wahl des richtigen Kurses und der richtigen Schule zu vereinfachen, können die folgenden Zielgruppen unterschieden werden: der Ferien-Fotograf, der Hobby-Fotograf, der Profi-Fotograf und der Foto-Künstler.

Ferien-Fotograf / Ferienfotografin / Fotokurse für Einsteiger

Wer mehrheitlich im Urlaub oder gelegentlich in der Freizeit fotografiert, möchte in der Regel Fotos schiessen, welche unvergessliche Momente und Emotionen festhalten. Dies können Situationen wie ein romantischer Sonnenuntergang, ein exotischer Markt oder der Spass beim River Rafting sein. Wer die Aussagekraft der Bilder erhöhen will und mehr aus seiner Kamera herausholen möchte, sollte über das folgende Fotowissen verfügen:

  • Grundlagen der Bildgestaltung (Gestaltungsregeln, Motive, Perspektiven, Bildausschnitt usw.)
  • Verständnis für Funktion und Zusammenhang von Belichtungszeit, Blende und Empfindlichkeit
  • Auswirkung der Einflussfaktoren Weissabgleich, Bildstil und Blitz
  • Autofokus: Steuerung und Bändigung des (automatischen) Fokus um Scharfstellung am falschen Ort und Auslöseverzögerungen zu vermeiden

Um sich dieses Basis-Wissen anzueignen reicht ein intensiver Fotoworkshop von ein bis zwei Tagen aus. Dabei ist folgendes zu beachten:

  • Kleine Teilnehmerzahl, so können sich die Kursleitenden intensiver mit den einzelnen Teilnehmenden beschäftigen
  • Theorie und Praxis sollten im Fotokurs ausgewogen kombiniert sein
  • Neben technischem Wissen sollten auch gestalterische Tipps vermittelt werden
  • Reine Kamerakurse sind auf der Stufe wenig geeignet, weil diese oft zu technisch und detailverliebt sind
  • Möglicher Zusatznutzen: Es gibt Schulungsangebote, bei denen unterschiedliche Foto-Ausrüstungen zum Ausprobieren zur Verfügung stehen. So kann ein Grundlagenkurs auch bei der Wahl der richtigen Kamera helfen.
  • Bei Basiskursen für „Ferien-Fotografen“ können auch themenbezogenen Fotokurse interessant sein
  • Nach Foto-Sujets: Landschaftsfotografie, Tierfotografie, Städte, Strassen usw.
  • Technikbezogen: Langzeitbelichtung bei geringem Licht oder für das Festhalten von Bewegungsabläufen, HDRI für kontrastreiche Bilder etc.
  • Eine weitere Möglichkeit der Wissensvermittlung für „Ferien-Fotografen“ sind Fotoexkursionen mit Themenschwerpunkten. Sie sind besonders praxisbezogen und lehrreich. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass während der Fotoexkursion nicht zu weite Distanzen zurückzulegen sind und das Fotografieren im Vordergrund steht.

Mit dem Essen kommt der Appetit: Packt einem das Fotografieren in den Ferien, so stehen noch viele weitere Fotothemen und Vertiefungsmöglichkeiten offen. Aus der Ferienbeschäftigung kann ein Hobby werden, bei dem man sich auch zwischendurch erfreuen und sehr gut vom Alltag abschalten kann.

Wer gelegentlich in den Ferien oder in der Freizeit fotografiert, kann die Grundlagen in einem Fotokurs für Einsteiger lernen.

Hobby-Fotograf / Hobby-Fotografin / Fotokurse für Fortgeschrittene

Hobby-Fotografen, welche bereits über das notwendige Basis-Wissen verfügen, können sich in zahlreichen Fotokursen weiterbilden. Die Vertiefungskurse können die folgenden Themen beinhalten:

  • Kurse und Workshops nach Art und Foto-Sujets: Portraitfotografie, Produktfotografie, Architekturfotografie, Naturfotografie, Hochzeitsfotografie, Werbefotografie, Modefotografie, Fotoreportagen usw.
  • Kurse und Workshops nach technischen Aspekten: Spezialeffekte, spezielle Funktionen, Filter, Umgang bei schwierigen Lichtverhältnissen, Beleuchtung usw.
  • Kurse und Workshops für die Bildnachbearbeitung: Nach einzelner Hard- und Software
  • Fotoexkursionen

Hobby-Fotografen, welche ihr Wissen vertiefen wollen sollten sich die folgenden Fragen beantworten:

  • Soll das Wissen via Selbststudium oder in einem Präsenzunterricht angeeignet werden?
  • Falls ein Präsenzunterricht gewählt wird:
  • Welche thematische Ausrichtung soll der Fotokurs haben (Foto-Sujets, Technik usw.)?
  • Welches Vorwissen und welche Fotoausrüstungen werden vorausgesetzt?
  • Welche Art des Präsenzunterrichts wird bevorzugt: Einzelcoaching, Gruppen, Workshops, Exkursionen, Fotoreisen?
  • Welche Gruppengrösse: Kleingruppen oder grössere Gruppen?
  • Intensität/Lerntempo?
  • Welche Unterrichtszeiten werden bevorzugt?
  • Wie sollte die Gruppe zusammengesetzt sein? Alter, Vorwissen, Interessen usw.?

Für Hobby-Fotografen ist es ideal, wenn der Fotokurs zeitlich so gewählt wird, dass das Gelernte gleich anschliessend in die Praxis umgesetzt werden kann.

Berufsfotograf / Berufsfotografin

Wer die Fotografie teil- oder vollberuflich ausüben möchte, muss nicht nur das Fotografieren im Griff haben. Ein Berufsfotograf oder eine Berufsfotografin sollte über eine jahrelange Praxis-Erfahrung verfügen und das Fotografieren als Berufung sehen. Wichtig dabei ist das Talent, um aussagekräftige, spannende und kreative Fotos zu machen. Der Ideenreichtum gepaart mit einer sensiblen Ader, welche die Wirkung von eigenen Bildern auf die Zielgruppe erkennt, ist häufig der Schlüssel zum Erfolg. Berufsfotografen schaffen es, die zu fotografierenden Objekte oder Menschen so zu inszenieren, dass sie beim Betrachten der Bilder Emotionen auslösen. Die Zielgruppe sollte dabei nicht nur die Inszenierung des Foto-Sujets erkennen, sondern auch die professionelle Umsetzung durch den Fotografen bzw. durch die Fotografin.

Welche Aus- und Weiterbildungen gibt es, um Berufsfotograf / Berufsfotografin zu werden?

  • Variante 1: Quereinsteiger mit Einsteiger- und Fortgeschrittenen-Kursen oder entsprechenden Lehrgängen (z.B. Studiengang Fotografie von der MAZ Journalistenschule Luzern)
  • Variante 2: Quereinsteiger mit zweiter Berufslehre als Fotograf/in (EFZ), anschliessend Vertiefungskurse oder eidg. anerkannte Lehrgänge (Fotodesigner mit eidg. Diplom)
  • Variante 3: Berufslehre als Fotograf/in (EFZ), anschliessend Vertiefungskurse oder eidg. anerkannte Lehrgänge (Fotodesigner/in oder Gestalter/in Kommunikationsdesign)
  • Variante 4: Abgeschlossene Berufslehre oder gymnasiale Matur plus zwei Jahre Berufspraxis als Fotograf/in, anschliessend Lehrgang Fotodesigner/in mit eidg. Diplom
  • Variante 5: Abgeschlossene Berufslehre im gestalterischen Bereich, Lehrgang Gestalter/in Kommunikationsdesign HF mit eidg. Diplom (Vertiefungsrichtung Fotografie) oder Gestalter/in HF mit eidg. Diplom (Vertiefungsrichtung Fotografie), Bedingung: Nachweis einer beruflichen Tätigkeit (mind. 50 Prozent) parallel zum berufsbegleitenden Bildungsgang, Bestehen des Aufnahmeverfahrens
  • Variante 6: Gestalterische Berufsmatur, Fachmatur oder gymnasiale Matur, mind. einjährige Berufspraxis oder einjähriger Vorkurs, anschliessend Bachelor Visuelle/r Kommunikator/in FH mit Vertiefung in Richtung Bild/Fotografie
  • Variante 7: Diverse Bildungsangebote im Ausland

Weiterführende Infos zu den Fotokursen und Lehrgängen:

Fotokurse
Fotodesigner/in mit eidg. Diplom
Gestalter/in Kommunikationsdesign HF mit eidg. Diplom
Gestalter/in HF mit eidg. Diplom (Vertiefungsrichtung Fotografie)
Bachelor Visuelle/r Kommunikator/in FH mit Vertiefung in Richtung Bild/Fotografie

Welche Möglichkeiten gibt es, um als Berufsfotograf bzw. Berufsfotografin zu arbeiten?

  • Voll- oder teilzeitliches Pensum: Mitarbeitende in Verlagen, Agenturen, Fotofachgeschäften, Fotostudios, Fotolabors, bei selbstständigen Fotografen, Modeunternehmen, grossen Immobilienunternehmen, Grosshandel, Online-Shops, Online-Portalen, Spitälern (Baby-Fotografie), Unternehmen in der Tourismusbranche usw.
  • Selbstständigkeit: Freier Fotograf bzw. freie Fotografin, evt. kombiniert mit weiteren Angeboten im gestalterischen Bereich
  • Mix aus beruflicher Anstellung und Selbstständigkeit
  • Mitarbeit als Kursleiter bzw. Kursleiterin in Fotoschulen

Fotografen oder Fotografinnen, welche sich bei einem Arbeitgeber anstellen lassen möchten, sollten idealerweise Lehrgänge mit einem eidg. anerkannten Abschluss oder Lehrgänge von bekannten Schulen absolvieren.

Viele Fotografen oder Fotografinnen versuchen, ihren Traumberuf mit der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit zu verwirklichen. Dabei sollten die folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Fotografie als Berufung ansehen
  • Fachliches Wissen und Können sowie jahrelange Praxiserfahrung ist vorhanden
  • Talent ist vorhanden
  • Eine tragfähige Geschäftsidee ist definiert
  • Ein Businessplan inkl. einem erfolgsversprechenden Marketingkonzept ist erstellt
  • Grosser Einsatzwille und eine hohe Belastungsfähigkeit sind gegeben
  • Zur Überbrückung der mageren ersten zwei bis drei Jahre sollte entweder genügend Erspartes oder eine andere Finanzierungsquelle vorhanden sein (Nebenjob, Lebenspartner, Darlehen usw.)
  • Kommunikative und verkäuferische Fähigkeiten
  • Unternehmerisches Denken
  • Aktives Empfehlungs- und Beziehungsmanagement
  • Soziale Kompetenzen, guter Umgang mit Menschen, gewinnende Persönlichkeit
  • Der Wille, sich permanent weiter zu entwickeln

Weiterführende Informationen zu einer erfolgreichen Firmengründung und Selbstständigkeit

Für Berufsfotografen bzw. Berufsfotografinnen ist eine fundierte Fotografie Ausbildung zwingend notwendig.

Foto-Künstler / Foto-Künstlerin

In der bildenden Kunst hat die Fotografie einen wichtigen Stellenwert. An verschiedenen Schulen für Gestaltung und Kunst werden immer wieder Fotografie-Klassen geführt mit dem Ziel, das künstlerische Potenzial der Fotografen zu entwickeln. Es geht dabei darum, die Fotografie mit der Kunst zu verbinden. Die Teilnehmenden sollen eine eigenständige und künstlerische Bildsprache entwickeln. Wer Kunst und Fotografie verbinden will und die Kunstfotografie als Hobby, Nebenberuf oder sogar Hauptberuf ausüben will, sollte sich über das aktuelle Angebot informieren.

Weiterführende Infos zu Kursen und Lehrgängen im Bereich Fotografie und Kunst:

Fotokurse mit künstlerischen Aspekten
Lehrgänge und Fotokurse zum Thema Fotografieren und Kunst
Bachelor Camera Arts

Welcher Anbieter für Fotokurse ist für mich geeignet?

Auch für einen eintägigen Fotokurs loht es sich, die verschiedenen Angebote von Fotoschulen anhand der eigenen Bedürfnisse und Prioritäten zu analysieren. Beil längeren Lehrgängen lohnt sich auch ein Besuch vor Ort in Verbindung mit einem persönlichen Beratungsgespräch.

Dies sind mögliche Kriterien für die gezielte Wahl der Fotoschule:

  • Themen und Inhalte
  • Bekanntheit und Image des Anbieters (vor allem bei längeren Ausbildungen)
  • Ausbildung und Erfahrung der Kursleiter bzw. Kursleiterinnen
  • Gibt es Angaben zur Teilnehmerzufriedenheit?
  • Klassengrösse
  • Ausbildungsmethodik
  • Abschluss: Schulzertifikat, Verbandszertifikat, eidg. anerkannter Abschluss?
  • Support nach dem Fotokurs
  • Kurs-Infos
  • Ausleihmöglichkeit von Foto-Ausrüstungen (Konditionen?)
  • Kosten
  • Kurszeiten
  • Kursort
  • Weiterführende Bildungsangebote des Anbieters